Himarë, km 1853 (AL)

Vlore ist ähnlich zugebaut wie der Strand von Durrës. Mehrere Kilometer fahren wir an Luxus Hotels vorbei. Es wird viel gebaut und nachgebessert in der Nebensaison. Die Hundchen interessieren sich nicht für uns, aber gefühlt blicken sie traurig.

Dann sehen wir „Unseren Dicken“. Er scheint in den Wolken zu liegen. Das war nicht unser Plan, die Wolken ziehen doch meist erst am Nachmittag auf. Er begrüßt uns mit einigen Rampen, lässt uns ausruhen, um dann wieder anzuziehen. Eine ganze Weile spielt er so mit uns rum. Wir spielen mit, haben ja keine andere Wahl. Dieter kündigt nach Blick auf´s GPS an, dass es nun ernst wird. Wir schalten in den kleinsten Gang – für die nächsten beiden Stunden. Alle zwei Kilometer Trink- und Esspause. Der Wind macht die Sache nicht besser. So viel Entgegenkommen wäre doch nicht nötig gewesen. An einem kurzen Stück müssen wir den Kürzeren ziehen und absteigen. … es ist unerwartet wenig Verkehr, super, und irgendwann kommen wir tatsächlich oben an. Blicken direkt auf´s Meer hinunter. WOW!!!

Diverse Menschen fragen uns, ob wir das wirklich alles gefahren sind…

Vielleicht hat der Wind die Wolken davon geweht, vielleicht haben wir nur falsch gesehen. Aber der Ausblick und die darauffolgende Abfahrt sind grandios. Hinter jeder Kurve geht es optisch direkt ins Meer. Mit der Windjacke ist an Frieren auch nicht zu denken. Die Mühen sind vergessen, wir genießen es einfach.

Unten füllen wir Wasser auf. Zum Zielort sind es noch ein paar Kilometer. Es geht durch wunderschöne Landschaft. Zu unserem Leidwesen allerdings direkt ins Meer, oder direkt in den Himmel. Uff, schon wieder kleinster Gang und kurbeln. Wir teilen den Weg mit Ziegenherden und einigen Eseln.

Die blöden Schilder mit 10% Steigung machen uns auf die Dauer echt mürbe und wir sind froh in Himarë regelrecht einzufliegen. Die letzten 6 Kilometer steil bergab, ich hoffe, dass die Bremsen nicht versagen … Der Ort liegt wieder auf Meereshöhe.

Dieter bucht mittlerweile die Unterkünfte immer vor. Eine nette Dame begrüßt uns, kocht türkischen Mocca, stellt uns unsere Nachbarin Edith vor. Edith ist eine Rentnerin aus der Schweiz, hat als Beobachterin für Menschenrechte in Mexiko und Palästina gearbeitet. Sie ist schon eine Weile hier alleine und mit öffentlichen Transportmitteln unterwegs, wandert viel. Wir sitzen noch eine ganze Weile mit ihr auf dem schönen Balkon. Die Unterhaltung finden wir richtig spannend. Haben viel gesprochen und so einiges erfahren. Wer hätte z.B. gewusst, dass die traditionelle Bauweise der Häuser mit einem dicken Holzbalken in der Mitte und Mörtel, der mit Ziegenhaar vermengt ist (klebt zusammen), die Häuser erdbebensicherer macht?

„Am Ohridsee hat man eine Pfahlbausiedlung entdeckt, die alles was man bisher über Pfahlbauten wusste über den Haufen wirft …“

Sie hat mir ein Buch geschenkt. „…lang hier im Zimmer, ich habe es gelesen, ist wirklich gut“. Ein richtig dickes Buch, Robert Menasse der Autor, „die Erweiterung“ der Titel. (die EU Erweiterung ist gemeint) Ich sage „Das wiegt so viel wie die tägliche Ration Nudeln“. „Nimm ein paar weniger Nudeln mit“, sagt sie. Okay, das passt, denn heute Abend gibt´s mal keine Fussilis mit Tomatensauce.


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